Bosnien und die WM 2026 – Sieg mit Würde


Bosnien und die Playoff für die WM 2026: Ein Sieg, der mehr war als Fußball

Es war der 31. März 2026, kurz nach Mitternacht. Im Stadion Bilino Polje in Zenica schoss Esmir Bajraktarević den Ball flach in die rechte Ecke – Donnarumma streckte sich, spürte das Leder fast schon in der Hand, und doch kullerte es durch. Bosnien-Herzegowina fährt zur WM.

Ich saß vor dem Bildschirm, Sohn eines Italieners, und war im ersten Moment schlicht traurig. Wieder. Dritte WM in Serie ohne die Azzurri. Aber was danach passierte – in Zenica, auf meinem Handy, im Netz – das hat mich mehr bewegt als das Ergebnis selbst.


Bosnien und die WM 2026: Wie es dazu kam

Zum zweiten Mal nach 2014 steht Bosnien-Herzegowina in einer WM-Endrunde. Der Weg dorthin war kein Spaziergang. Im Playoff-Halbfinale wurde Wales im Elfmeterschießen bezwungen, im Finale dann Italien – der viermalige Weltmeister, der nach 2018 und 2022 nun zum dritten Mal in Folge die große Bühne verpasst.

Im Bilino Polje gingen die Italiener durch Moise Kean (15. Minute) in Führung, ehe Alessandro Bastoni nach einer Notbremse in der 41. Minute vom Platz flog und Italien den Rest der Partie in Unterzahl bestreiten musste. Haris Tabaković glich per Abstauber in der 79. Minute aus, nachdem Donnarumma einen Kopfball von Edin Džeko noch pariert hatte. Verlängerung, keine weiteren Tore. Elfmeterschießen.

Alle bosnischen Schützen verwandelten, auf Seiten Italiens verschossen Esposito und Bryan Cristante. Endstand: 4:1 im Elfmeterschießen. Bosnien fährt zur WM.

In der Gruppe B treffen die Bosnier auf Co-Gastgeber Kanada, Katar und die Schweiz. Das Turnier selbst findet vom 11. Juni bis 19. Juli 2026 in den USA, Kanada und Mexiko statt.

👉  Sarajevo – Stadt aus Licht, Lachen und Erinnerung


Was Edin Džeko sagte – und warum es mich nicht loslässt

Vor dem Spiel sprach Edin Džeko mit Journalisten. Was er sagte, war kein diplomatisches Pflichtprogramm. Er erinnerte daran, dass Italien nach dem Krieg die erste Fußballnation war, die zu einem Freundschaftsspiel nach Bosnien kam. Dass er in Italien viele Jahre gespielt und sich wohlgefühlt hat. Dass er dort Freunde hat, die er nicht vergisst.

Diese Worte kamen nicht vom Teleprompter. Sie kamen von jemandem, der weiß, was Krieg bedeutet, was Wiederaufbau bedeutet – und was es bedeutet, wenn jemand einfach kommt und sagt: Wir sind bei euch.

Dann gewann Bosnien. Und die Reaktion meiner bosnischen Freunde? Kein Hohn, kein Spott. Ein bisschen Humor, klar – aber nichts unter der Gürtellinie. Pure Freude. Einfach schön. Ganz anders als manche deutschen Bekannten, die jede Niederlage des Nachbarn als persönlichen Triumph feiern und dabei ihre eigene Halbfinalniederlage gegen Italien 2006 noch immer nicht verdaut haben. :-)


Hier Edin Dzeko mit uns in Sarajevo



Die Geschichte am Flughafen – eine kleine Lektion in Würde

Eine Szene, die für sich spricht: Einige Journalisten saßen kurz nach dem Abpfiff noch am Flughafen, die Stimmung gedrückt, das Frühstück schmeckte nach Niederlage. Da näherte sich ein älterer Bosnier, nahm wortlos die Rechnung vom Tisch und ging zur Kasse. Als der Journalist ihn fragte, warum, sagte der Mann nur: „Italia, italia."

Keine Geste der Überlegenheit. Keine Häme. Einfach nur Sympathie und Großzügigkeit in dem Moment, in dem es am wenigsten erwartet wurde.

Ich reise seit Jahren durch den Balkan. In Bosnien habe ich diese Art von Menschlichkeit oft erlebt – die direkte, unprätentiöse Art, Dinge zu regeln, ohne großes Aufheben. Ein Land, das selbst schwere Jahrzehnte hinter sich hat, das aber auch weiß, wie man Würde bewahrt. Diese Szene am Flughafen sagt mehr über den Charakter eines Volkes als jeder Reiseführer.


So sind die Menschen aus Bosnien 

👉  Besondere Menschen aus Bosnien: Budo, ein Leben zwischen Flucht, Stil und Unternehmertum

👉  Goran – Der echte Fünfziger mit Herz, Witz und einem inneren Scheinwerfer


Was Bosnien und die WM 2026 für das Land bedeutet

Bosnien-Herzegowina ist kein Fußball-Schwergewicht. Das Land hat knapp 3,5 Millionen Einwohner, eine komplizierte politische Struktur und eine Fußballgeschichte, die erst seit den 1990ern als eigenständige Nation geschrieben wird. Die erste und bislang einzige WM-Teilnahme 2014 in Brasilien endete in der Gruppenphase – aber das Debüt auf der großen Bühne war da.

Jetzt, zwölf Jahre später, ist Bosnien wieder dabei. Und diesmal kommt die Qualifikation mit einer anderen Energie. Trainer Sergej Barbarez – selbst eine bosnische Fußballlegende – sagte nach dem Spiel, seine Mannschaft sei dem Zeitplan zwei Jahre voraus. Ein Satz, der zeigt: Hier wird nicht einfach mitgespielt. Hier wird aufgebaut.

Für die Menschen in Sarajevo, Mostar, Zenica, Banja Luka bedeutet diese WM-Teilnahme mehr als Sport. Sie ist ein Zeichen, dass das Land auf der Weltbühne angekommen ist – nicht als Krisengebiet, nicht als Projektionsfläche europäischer Schuldgefühle, sondern als Nation mit einer Auswahl, die gegen Italien besteht.


Was das für Reisende nach Bosnien bedeutet

Falls du noch keinen Reiseplan für Bosnien hast: Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt. Das Land ist seit Jahren einer der unterschätzten Reisewinke des Balkans – nicht wegen irgendwelcher Trends, sondern weil es schlicht gut ist. Die Küche, die Natur, die Städte.

In Sarajevo läuft während der WM das öffentliche Leben auf einem anderen Niveau. Die Cafés in der Baščaršija, der osmanischen Altstadt, werden voller sein als sonst. Die Stimmung ist gut, wenn das Land dabei ist – und man merkt das auf der Straße, in den Konversationen, in den Blicken.

Für Fußball-Reisende: Ein Besuch im Bilino Polje in Zenica, dem Stadion der Qualifikation, ist ein anderes Erlebnis als ein Touristenmatch in einem großen Stadion. Überschaubar, laut, nah dran – so wie Fußball manchmal sein sollte.

 Fazit: Bosnien feiert WM – und das auf seine eigene Art

Bosnien fährt zur WM 2026. Das ist sportlich eine Leistung, die sich die Mannschaft über Monate erarbeitet hat. Aber die Art, wie dieses Team und seine Fans diesen Moment feiern – mit Respekt gegenüber dem Gegner, mit Dankbarkeit für vergangene Gesten, mit Würde auch im Triumphmoment – das ist das, was bleibt.

Ich bin jetzt Fan der bosnischen Mannschaft. Nicht weil sie meinen Italienern das Ticket weggenommen haben. Sondern weil sie mir gezeigt haben, was Sportsgeist abseits der großen Worte aussehen kann.

Mögen sich andere eine Scheibe davon abschneiden.


Weitere spannende Artikel über Bosnien









Unterkünfte/ Hotels/ Übernachtungen/ Flüge




Gefallen am Artikel gefunden? Über einen leckeren Kaffee als Unterstützung freut sich dieser Blog:

Unterstützen auf ko-fi.com Hinweis: Dieser Artikel enthält Affiliate-Links (*) *** = Affiliate-Link: Wenn du über diese Links kaufst, erhalte ich eine kleine Provision - ohne Mehrkosten für dich. Das hilft mir, diese kostenlosen Inhalte zu erstellen.**

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Die überraschende Tapas Bar Restaurant Sarajevo. Eine unerwartete gastronomische Entdeckung in der Hauptstadt Bosnien und Herzegowinas

Gorans großer Geburtstags-Bash: 30 Freunde erobern Bosnien!

SARJEVO – DAS "JERUSALEM EUROPAS"! EIN STADT, DIE DU GESEHEN HABEN MUSST!

bosnien.pro - Kontaktformular

Name

E-Mail *

Nachricht *